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Tank vieler Erdgasfahrzeuge rostanfällig?

Nach 15 Jahren verlieren Erdgastanks ihre Zulassung

von Simon Stumm 04 / 2017

Auf die Frage an die deutschen Autofahrer, ob sie sich ein Auto mit alternativem Antrieb kaufen würden, antworteten zwei von drei Bürgern mit ja. Tatsächlich kaufen sie aber nach wie vor Autos, die von klassischen Verbrennungsmotoren angetrieben werden. 99 Prozent der 45 Millionen Pkws auf deutschen Straßen fahren mit Benzin oder Diesel, so der Stern. So gern sich der Deutsche zum Schutz von Gesundheit und Natur zur Technik der Zukunft bekennt. Wenn er vor der Kaufentscheidung steht, bleibt er lieber beim Althergebrachten.

Damit die Deutschen tatsächlich auf umweltfreundliche Fahrzeuge umsteigen, wird ihnen die Entscheidung für entsprechende neue Technik vom Gesetzgeber versüßt. Auch alternative Kraftquellen wie Erdgas werden steuerlich gefördert. Erdgasautos werden mit Compressed Natural Gas, also CNG, betrieben. Sie stoßen ca. 24 Prozent weniger Kohlendioxid aus und produzieren weit weniger Schadstoffe und -sofern sie sogar mit Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen betankt werden - sparen 80 Prozent klimaschädliche Emissionen ein. Ziel der Bundesregierung ist es, die Zahl der derzeitigen Erdgasfahrer von 80.000 Pkws, zu erhöhen.

Der Stern schilderte, was einem Erdgaskunden wiederfuhr, der im November 2012 einen erdgasbetriebenen VW Touran TSI EcoFuel kaufte. Dem Kunden ging es um den Umweltgedanken und da VW hinsichtlich der Qualität einen guten Ruf hatte, entschied er sich für diese Marke. Dass es bundesweit nur rund 900 Erdgastankstellen gab, die den Kraftstoff anbieten, schreckte den Kunden nicht ab. Immerhin sparte er beim Tanken 20 bis 30 Prozent, weil der Treibstoff Erdgas geringer besteuert wird als Ottokraftstoff. Für 15.000 Euro hatte der Kunde ein gebrauchtes Ökoauto von einem VW-Händler gekauft. Der Ärger begann schon nach einem Monat mit dem Austausch zweier Erdgastanks. Während der Fahrt ging der Touran unvermittelt aus. Es roch im Motorraum nach Gas. „Die Mechaniker erklärten mir, dass das Steuerrelais kaputt sei und die Tanks verrostet“, so der Kunde im Stern.

Erdgas wird in diesen Drucktanks bei 200 bar gelagert. Die geschätzten Reparaturkosten hätten sich auf 8.500 Euro belaufen. Dem Kunden wurde erklärt, dass es keine Kulanzregelung gäbe und VW das Problem bekannt sei. Als der Kunde sich wehrte, schickte Volkswagen einen Sachverständigen zum Kunden und übernahm die Rechnung für den Austausch von 2 der 4 Erdgastanks, die unter dem Fahrzeugboden montiert sind. Doch die Stahlflaschen gammelten bald schon wieder, wie der Stern weiter schrieb. Anfang 2016 wurden auf Drängen des Kunden zwei weitere Tanks getauscht.

VW startete im Sommer 2016 eine umfassende Rückrufaktion und beorderte mehr als 30.000 Erdgasfahrzeuge in die Werkstätten. Anfang 2016 explodierte an einer Erdgaszapfsäule im niedersächsischen Duderstadt ein VW Touran während der Fahrer tankte. Der Verkauf von Erdgas wurde an zahlreichen Tankstellen vorrübergehend gestoppt. Die Göttinger Staatsanwaltschaft stellte in einem Ermittlungsverfahren, das seit Ende November 2016 vorliegt, fest, dass der Rost der Auslöser des Unfalls war. Bereits zuvor war in der Nähe der schwedischen Stadt Göteborg ein Touran EcoFuel explodiert. Laut einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 2006 verlieren Erdgasautos nach 15 Jahren die Betriebserlaubnis, wenn die Tanks nicht ausgetauscht werden, so das Magazin. Dieses Problem ist kaum einem Erdgasfahrer bewusst. Damit die Rückrufaktion auch wahrgenommen wird, hat VW zuletzt erklärt, nur wer per Werkstattbescheinigung belegen kann, dass er seinen alten CNG-Tank durch langlebigere Tanks austauschen ließ, darf etwa in einen VW Touran der Baujahre 2006 bis 2010 nach Belieben Erdgas einfüllen.

Modelle der VW-Tochter Audi, aber auch der neue Golf, sind mit moderneren Tanklösungen ausgestattet. Sie werden aus Kunststoffen gefertigt, die mit Kohlenstoff und Glasfasern verstärkt sind. Diese Tanks sind leichter und zudem stabiler.

Insgesamt sind nur wenige CNG-Modelle von Mercedes, Fiat, Opel, Audi, Seat, Scoda, VW im Markt zu finden. Die Preise für ein Erdgasfahrzeug liegen zwischen 12.000 Euro für einen Seat Mii EcoFuel 1.0 und 48.000 Euro für einen E 200 Natural Gas Drive von Mercedes Benz. Die Auswahl an Erdgasfahrzeugen ist also überschaubar.

Doch statt eine Erfolgsgeschichte zu werden, so der Stern, sind Erdgasautos bislang vor allem eines: „Ein Lehrstück dafür, wie eine ausgereifte ökologische Alternative nur halbherzig gefördert, ihre kleine Käuferschar von der Industrie kaum wertgeschätzt und ihr Image am Ende noch ruiniert wurde“.

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