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Discounter Aldi kommt mit Billigsprit

Droht ein Tankstellenpreiskrieg wie zuletzt 2000?

von Jürgen Doetsch sen. 10/2017

Laut diversen Zeitungsberichten wird Aldi Süd in diesem Jahr erste Automatentankstellen auf seinen Parkplätzen eröffnen. Zunächst geht es um 10 Filialen in den Großräumen München, Nürnberg und Stuttgart. Die Tankstellen auf den Parkplätzen der Filialen will die Supermarktkette aber nicht selbst betreiben. Dies übernimmt die FE-Trading Deutschland GmbH, eine Tochter des österreichischen Mineralölkonzerns OMV. OMV betreibt auch bei der Aldi Tochter Hofer in Österreich bereits 79 Discount-Tankstellen.

Der Vertrag zwischen Aldi Süd und dem österreichischen Unternehmen über die Errichtung der Tankstellen, sei bereits unter Dach und Fach, so berichtete die TZ. Auf dem Gelände der Aldi-Filiale in Moosburg, nahe Freising, soll eine der ersten Tankstellen eröffnet werden. Bekannt wurden die Pläne durch einen Bauantrag der FE-Trading bei der Moosburger Stadtverwaltung.

Der FE-Sprecher kündigt Kraftstoffe zum besonders günstigen Preis an. In Salzburg lösten 2009 die ersten Discount-Tankstellen regelrechte Preisschlachten aus. Die Tankstellen auf dem Aldi-Gelände sollen als reine Automatentankstellen (Geistertankstellen) betrieben werden. Der Kunde tankt selbst und zahlt an einem Automaten. Welcher Tankstellenpreis an diesen Automatentankstellen gezeigt wird, bleibt abzuwarten. Sollte die FE-Trading an den Discount-Tankstellen die Supermarkttankstellenpreise von Globus, Real, Metro & Co. nochmal unterbieten, wird ein Preiskampf unvermeidbar. Auch andere Markenunternehmen hatten in den letzten Jahren schon versucht, Tankstellen, die sich als normale Straßentankstellen nicht mehr führen ließen, auf eine Automatentankstelle umzustellen und mit dieser das allgemeine Preisniveau nochmals zu unterbieten. Auch dies führte in der Regel zu regionalen Preiskämpfen. Tankstellen, die sich nicht mehr rechnen auf Automaten umzustellen, macht langfristig ohnehin keinen Sinn. Zudem stehen die deutschen Verbraucher Automatentankstellen nach wie vor recht skeptisch gegenüber.

Wenn Aldi Süd mit der OMV das Tankstellennetz in der Fläche ausrollt, kann es durchaus wieder zu einem flächendeckenden Preiskampf kommen, wie wir ihn zuletzt in 2000 erlebten. Damals meinte die Tankstellenkette DEA, ein Tochterunternehmen von RWE, mit Einführung der Payback-Karte massiv Kunden vom Wettbewerb gewinnen zu können. Die Payback-Karte löste letztlich einen Preiskampf mit Aral aus. Am Ende blieben sogar die beiden Streithähne auf der Strecke. Die RWE entschied sich, DEA an Shell zu verkaufen und Aral, die gegen die Payback-Karte kämpfte, wurde vom Mutterkonzern E.ON an BP verkauft. In verschiedenen Gebieten, in denen der Preiskampf sehr hart geführt wurde, blieben auch kleinere freie Tankstellen oder freie Tankstellenketten auf der Strecke und mussten Insolvenz anmelden.

Vom reinen Turnus her ist ein Preiskampf in unserer Branche überfällig. Irgendwie scheinen immer so 17, 18 Jahre zwischen den jeweiligen Preiskämpfen zu liegen. 1982 versuchte die Shell mit einem Preiskampf gegen die JET den Preisabstand von 1 Pfennig auf 0,5 Pfennig zu reduzieren. Die Folge wäre gewesen, dass die großen Zahlen am Preistransparent bei JET und Shell bzw. bei anderen Marktteilnehmern die gleichen gewesen wären. Auch regionale Preisunterbieter wurden damals von Shell attackiert. Dieser Preiskampf hinterließ Spuren im Tankstellenmarkt.

Folglich würde es vom zeitlichen Rhythmus passen, dass jetzt nach rund 17 Jahren wieder eine Preisschlacht im Mineralölmarkt ausgetragen wird. Für Aldi könnte dies eine sehr gute Werbung werden. Allerdings nicht für die Tankstellenbranche. Mithilfe der Markttransparenzstelle werden die Preise von den Aldi-Tankstellen schnell kommuniziert. Die entsprechenden Systeme der jeweiligen Gesellschaften werden sehr schnell auf Preisänderungen des benachbarten Wettbewerbs reagieren. So wird der Preis von Aldi schnell in die Fläche wandern. Wenn Aldi Süd z.B. 300 Standorte etabliert, würden diese Tankstellen den bestehenden Wettbewerbstankstellen rund 1 Milliarde Liter abnehmen. Eine solche Marktanteilsverschiebung werden die heutigen Marktteilnehmer nicht wehrlos akzeptieren. Sollte das vorstehende Szenario in 2018 eintreten, bleibt die interessante Frage, ob und welche Marktteilnehmer als erstes zu Boden gehen.

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