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Rohölförderung

Rohölförderung kostet durchschnittlich 7,70 Dollar pro Barrel

von Jürgen Doetsch 05/2009

Was kostet die Rohölgewinnung wirklich – brauchen wir tatsächlich einen Ölpreis von 50 $ um nach Öl zu bohren?

Nach Berechnung der Deutschen Bank könnte der Ölpreis unter 20 Dollar je Barrel fallen, bevor die Ölproduktion in Ländern außerhalb der OPEC in großem Stil nachlassen würde. Die Deutsche Bank hat eine Analyse durchgeführt, um festzustellen, wie sich die Wirtschaftskrise kurz und mittelfristig auf das Ölangebot auswirken könnte. Die Analysten berechneten, bei welchem Rohölpreis neue Projekte, zum Beispiel in großen Wassertiefen vor Angola, Brasilien, Nigeria und im Golf von Mexiko, noch wirtschaftlich sein könnten. Das Ergebnis war erstaunlich: Die reinen Förderkosten (ohne staatliche Förderabgaben an die Förderländer) sind auch in solchen Gebieten relativ gering.

In Russland, der Nordsee und Alaska bewegen sich die Förderkosten um die 15 Dollar je Barrel und liegen damit noch deutlich unter den gegenwärtigen Ölpreisen. Nur bei den kanadischen Ölsanden kam die Deutsche Bank auf Förderkosten von 28 Dollar je Barrel. Sinkt der Ölpreis unter 30 Dollar je Barrel, würde die Förderung von 35 Millionen Tonnen Rohöl unwirtschaftlich, wobei von dieser Menge fast 60 Prozent auf Kanadas Ölsande entfallen würden. Erst bei 20 Dollar je Barrel Förderkosten würden 175 Millionen Tonnen Ölproduktion im Jahr in die roten Zahlen geraten.

Zusätzlich würde in einem solchen Szenario der weltweite Ölvorrat von der, wegen natürlicher Erschöpfung abnehmenden, Förderrate älterer Öllagerstätten beeinträchtigt. Frühere Ölpreiseinbrüche hätten gezeigt, dass die Förderraten älterer Vorkommen in Zeiten niedriger Ölpreise stärker als sonst zurückgehen. Das heißt, die letzten 20 Prozent Öl aus einem Bohrloch herauszuholen, ist deutlich teurer als die ersten 80 Prozent. Somit führt ein rückläufiger Ölpreis dazu, dass eine ältere Quelle eventuell früher abgeschaltet würde, als der Förderer es täte, wenn der Rohölpreis auf einem hohen Niveau bliebe.

Die Deutsche Bank kam zu dem Ergebnis, dass bei einem nachhaltigen Rückgang der Ölpreise 65 Millionen Tonnen p.a. weniger auf den Markt kommen würden, als bei einem hohen Ölpreis. Dies würde in erster Linie die Ölsande in den USA und Kanada, aber auch Ölquellen in der Nordsee und in Russland betreffen.

Doch nicht nur die Förderkosten spielen eine Rolle. In den letzten Jahren haben auch die Regierungen in den Ländern, in denen Rohöl gewonnen wird, die fiskalischen Belastungen, das heißt die Steuern und Abgaben auf das gewonnene Rohöl, erhöht. Hinzu kommt, dass die Ölgesellschaften eine Rendite von 15 Prozent vor Steuern für das eingesetzte Kapital auf die Ölquellen einfahren wollen. Wenn man neben den reinen Förderkosten auch die fiskalischen Belastungen und die Verzinsung des eingesetzten Kapitals berechnet, so liegen die Förderkosten in den größeren Wassertiefen vor Angola, dem Golf von Mexiko bzw. Nigeria und Brasilien in einer Größenordnung zwischen 60 und 65 Dollar je Barrel.

Nach Berechnungen der Deutschen Bank betragen die durchschnittlichen, reinen Förderkosten, ohne Verzinsung des eingesetzten Kapitals und der staatlichen Abgaben, in den Förderländern 7,70 Dollar je Barrel. Unter diesem Wert liegen die Länder in Nahost, wie die Vereinigten Emirate, Kuwait, Saudi Arabien, Iran, Libyen, Algerien, Irak und Venezuela. Am höchsten sind die Förderkosten in der Nordsee, Alaska, Russland, China und bei den Ölsanden in Kanada.

Die Zahlen der Deutschen Bank zeigen, dass die Förderkosten, ob in großen Wassertiefen oder auch im Wüstensand von Nahost, gar nicht so hoch sind, wie vielfach angenommen wird. Was die Ölpreise zusätzlich verteuert, sind die staatlichen Abgaben, die die Förderländer fordern. Die Staatshaushalte dieser Länder, die ihre Staatsausgaben über die Förderabgabe finanzieren, verteuern den Rohölpreis. Diese hohen Förderabgaben können wir den Ländern allerdings nicht vorwerfen. Die Mineralölsteuer, die vom Autofahrer in den westlichen Verbrauchsländern erhoben wird, ist in der Regel ein Vielfaches von dem, was die Ölförderländer an staatlicher Abgabe von den Ölgesellschaften fordern.

Andererseits sind solche hohen Abgaben der Förderländer auch nur aufrecht zu erhalten, solange der Ölpreis insgesamt recht hoch ist. Wenn die Nachfrage nach Öl wegen des hohen Preises sinkt, muss letztlich auch die Förderabgabe wieder sinken.

Die vorstehenden Fakten zeigen auf, dass die oftmals formulierte Forderung, wir brauchen einen Ölpreis, der zwischen 50 und 70 Dollar liegt, damit weiterhin neue Ölquellen für die wachsende Weltwirtschaft erschlossen werden, in dieser Form nicht richtig ist. Die reinen Förderkosten liegen deutlich unter diesen Werten. Ein hoher Ölpreis ist also auch für die Rohölproduzenten ein gutes Geschäft.

Die veröffentlichten Quartalsberichte 2009 von EXXON, BP, Shell und Co. zeigen, dass auch bei den Ölpreisen im ersten Quartal, von durchschnittlich 40 bis 43 Dollar pro Fass, die Konzerne in 2009, je nach Unternehmensgröße, auf einen Jahresgewinn von 6 bis 20 Milliarden Dollar kommen werden. Diese Gewinne kommen zu 80 Prozent aus der Erdöl- und Erdgasgewinnung am Bohrloch.

Die Raffineriemargen stehen in 2009, durch eine sehr schwache Nachfrage der Chemieindustrie nach Grundprodukten aus der Ölverarbeitung (z.B. Naphta, Ethylen, etc.) und einer insgesamt schwachen weltweiten Auslastung der Raffinerien, schwächer da als 2008. Das Vertriebsgeschäft über die Tankstellen ist für diese Gesellschaften ohnehin von untergeordneter Bedeutung.

Dass die großen Mineralölkonzerne im Zuge der Weltwirtschaftskrise starke Quartalsergebnisse zeigen, beweist, dass sie stets vorsichtig agierten und sich rechtzeitig auf niedrige Rohölpreise einstellten. Immerhin sind die Quartalsgewinne dieser Firmen mit einem durchschnittlichen Rohölpreis von 41bis 43 Dollar pro Barrel erzielt worden. Im zweiten Quartal 2009 dürften die Rohölpreise 5 bis 10 Dollar pro Barrel über diesem Niveau liegen, sodass das zweite Quartal 2009 für EXXON, Shell und Co. besser wird als das erste. Mit diesen Gewinnen sind die Konzerne nach wie vor in der Lage, neue Rohöllagerstätten zu erschließen und die Aktionäre mit einer ansprechenden Dividende oder durch Aktienrückkauf zu bedienen. Die sogenannten Wind Fall Profits der Jahre 2006 bis 2008, als die Rohölpreise im Sommer 2008 auf Rekordhöhen von 150$ pro Barrel schossen, werden sich so schnell nicht wiederholen.

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